Fairtrade-Kaffee: Genuss, der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern verbessert

In den Exportländern kultivieren meist Kleinbauern die Kaffeepflanze. Durch schwankende Preise, klimatische Veränderungen und ungleichmäßige Machtverhältnisse im Kaffeehandel sind diese einer hohen Gefahr von Armut ausgesetzt. Das resultiert in schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen. Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken gibt es Fairtrade-Initiativen. Diese haben das Ziel, Kaffee zu verkaufen, der unter gerechten Bedingungen hergestellt und gehandelt wurde. Mit Fairtrade-Kaffee werden darüber hinaus langfristige Ziele wie Umweltschutz verfolgt. Um dies zu erreichen, werden Mindestpreise vorgegeben.

Das Fairtrade-Siegel und seine Standards

Fairtrade-Siegel, Fairtrade-Kaffee

Unter den Fairtrade-Siegeln ist das bekannteste das Siegel von Fairtrade International, welches durch den deutschen Verein TransFair e.V. vergeben wird. Unternehmen müssen für Produkte, die dieses Siegel tragen Lizenzgebühren zahlen und alle Beteiligten entlang des Herstellungsprozess zertifizieren lassen.

Bei einem Produkt, welches rein aus Kaffee besteht, muss der Rohstoff zu 100 Prozent fair gehandelt sein. Produkte mit mehr als einer Zutat dürfen bereits ab 20 Prozent das Fairtrade-Siegel tragen.

Fairtrade-Kaffee steht für Verbesserungen auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene. Hier ein kurzer Überblick:

Soziale Kriterien:

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Förderung von demokratischen Gemeinschaften

Ökologische Aspekte:

  • Umweltschonender Anbau
  • Verbot von risikoreichen Pestiziden und Gentechnik
  • Sparen von Ressourcen (Bspw.: Wasser)

Ökonomische Standards:

  • Fixierung eines Mindestpreises (Deckung der Herstellkosten)
  • Zahlung einer Sozialprämie (Nutzung z. B. für den Ausbau der Infrastruktur)
  • Garantie für langfristige und faire Verträge
  • Gewähr von Vorschussfinanzierungen (Ermöglichen von Investitionen)

Fairtrade-Kaffee in der Kritik

Auch wenn durch Fairtrade-Kaffee bessere soziale Bedingungen und Investitionen gefördert werden, heißt es dadurch nicht direkt, dass die Kaffeebauern einen höheren Gewinn erzielen. Meist ist es nämlich so, dass die Einzelhändler am Ende der Wertschöpfungskette mehr Geld durch das Siegel verdienen. Das liegt daran, dass die Händler ihre Marge prozentual berechnen und nicht einfach nur den höheren Kaffee-Preis aufaddieren. Der Kaffee ist dadurch für den Verbraucher teurer, ohne dass die Farmer wesentlich mehr am Kaffee als bei einem Handel ohne Fairtrade verdienen. Des Weiteren sind die Zertifizierungskosten für das Fairtrade-Siegel für manche Kaffeebauern zu hoch, sodass sie ihren Kaffee nicht zertifizieren lassen. Und das obwohl sie den Standards bereits gerecht werden.

Wie können wir uns als Verbraucher also dafür einsetzen, dass die Kaffeebauern definitiv mehr für ihre Leistung verdienen? Eine Lösung dafür ist direkter Handel, bei dem die Farmer höhere Gewinne erzielen können.

Direct Trade: Wo liegen die Unterschiede zu Fairtrade?

Direct Trade, auch bekannt als Direkter Handel oder Direktimport, wird von vielen Röstereien immer häufiger benutzt, um sich von den bekannten Initiativen weiter abzuheben. Bei einem direkten Handel wenden sich Röstereien ohne jegliche Zwischenhändler an die Kaffeebauern. Das heißt, dass teure Handelsstufen entfallen und die Farmer durch diese Ersparnisse (eigentlich) einen höheren Gewinn beim Verkauf ihres Kaffees erzielen. Die Betonung liegt hier auf eigentlich, denn: Auch wenn beim mehrstufigen Handel viele Wiederverkäufer mitverdienen wollen, gibt es bei Direct Trade im Gegensatz zu der Fairtrade-Initiative keinen Mindestpreis.

Selbst bei direktem Handel ist also nicht garantiert, dass der Farmer vor Ort deutlich höhere Preise erzielen kann. Auch wenn Farmer in der Regel doppelt so viel Geld für einen Kilo Kaffee erhält wie beim konventionellen Handel, ist es für uns Verbraucher wichtig, dass der Verbraucher transparent agiert. Dies gilt auch für die Verwendung des Begriffs „Direct Trade“ als Verkaufsargument. Im Gegensatz zu Fairtrade ist Direct Trade nämlich kein geschützter Begriff und kann ohne jegliche Beweise dafür verwendet werden. Auch hier ist also wieder ein transparentes Agieren der Händler gefordert.

Aus diesen Gründen entwickelte sich die Initiative „The Pledge“, mit der Mission für Transparenz Standards festzulegen. Unternehmen, die den Vertrag von „The Plegde“ unterzeichnen, erklären sich bereit, einen bestimmten Teil der Rohkaffeeeinkäufe und deren Preise offen zu legen. Das heißt, dass Verbraucher einsehen können, wie viel Geld der Importeur für den Rohkaffee bezahlt hat.

Direkter Import stärkt außerdem die Beziehung zwischen den Röstereien und den Kaffeebauern. So besuchen viele Röster die Kaffeeplantagen und pflegen eine langfristige, persönliche Partnerschaft. Die Kaffeebauern haben damit neben höheren Gewinnen, auch ein gesichertes Einkommen über mehrere Jahre. Genauso profitieren die Röstereien von der Partnerschaft: Sie können sich vor Ort von der Qualität überzeugen und haben die Möglichkeit, hoch qualitative Kaffeebohnen zu erhalten.


Quellen

https://www.real.de/kaffeewissen/fairtrade-kaffee/
https://www.kaffeeverband.de/de/kaffeewissen/nachhaltigkeit https://www.transparency.coffee/about/ https://www.roastmarket.de/magazin/fairtrade-vs-direct-trade/