Wie nachhaltig ist der Genuss von Kaffee?

Der Kaffeesektor ist mit einigen Herausforderungen konfrontiert: die Bevölkerung wächst stetig, gleichzeitig werden landwirtschaftliche Flächen immer knapper. Zusätzlich stellt der Klimawandel ein großes Problem dar. Hier stellt sich die Frage: Wie steht Kaffee in puncto Nachhaltigkeit da und kann die Kaffeewirtschaft diesen Entwicklungen standhalten?

Aktuell sind über 125 Millionen Menschen im Kaffeesektor beschäftigt – Menschen, deren Lebensgrundlage langfristig gesichert werden muss. Gerade in den Anbauländern sollte man daher Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern. In der deutschen Kaffeewirtschaft setzt man sich laut dem deutschen Kaffeeverband weiterhin für Umweltschutz und eine Sicherung der Verfügbarkeit von Kaffee ein.

Welche Punkte stehen in Bezug der Nachhaltigkeit von Kaffee aktuell zur Diskussion und wie lassen sich diese bewerten?

Hier ein Faktencheck zur Nachhaltigkeit von Kaffee:

Für die Herstellung von Kaffee wird viel Wasser verschwendet

Kaffee ist tatsächlich nach Kakao das Lebensmittel, für welches man während des Herstellungsprozesses am meisten Wasser benötigt. Für die Herstellung von einem Kilo Kaffee verwendet man 21.000 Liter Wasser. Das klingt erst mal sehr viel und auch klimaschädlich – daher betrachten wir den Wasserverbrauch genauer. Die Organisation Water footprint network hat ein System entwickelt, welches den Wasserverbrauch bestimmter Produkte misst und in drei verschiedene Kategorien einteilt.

Zu aller erst gibt es den grünen Fußabdruck, zu dem natürliche Wasserquellen, wie beispielsweise Regen, zählen. In diese Kategorie fallen 96 Prozent des Wasserbedarfs von Kaffeeanbau. Weiterhin gibt es den blauen Fußabdruck für Wasser, welches man aus dem Grundwasser gewinnt und nutzt. Hier fallen nur ein Prozent bei der Herstellung von Kaffee an. Der graue Fußabdruck ist der negativste und beinhaltet Wasser, welches während der Herstellung verschmutzt wird – bei Kaffee sind dies drei Prozent. Unsere Schlussfolgerung: Auch wenn die Herstellung von Kaffee viel Wasser fordert, ist hier von Verschwendung kaum zu sprechen. Fast das gesamte Wasser ist bereits natürlich vorhanden. In diesem Punkt ist Kaffee also ziemlich nachhaltig.

Der lange Transportweg von Kaffee ist klimaschädlich

Ja – Kaffee hat aufgrund des Anbaus entlang des Äquators einen weiten Transportweg hinter sich und ist zumindest in Deutschland weit von einem regionalen Produkt entfernt. Allerdings müssen wir hier den gesamten „CO2-Fußabdruck“ entlang der Wertschöpfungskette in Betracht ziehen. Der „CO2-Fußabdruck“ misst welche Emissionen ein Produkt erzeugt. Kaffee verursacht bei einer Tasse durchschnittlich 74,9 Gramm CO2 – damit bildet Kaffee 18-mal mehr Emissionen als alkoholische Getränke. Schaut man sich diesen Wert genauer an, fällt auf, dass 56 Prozent dieser Belastung dem Anbau zuzuschreiben ist. Weitere 30 Prozent des CO2-Ausstoßes erzeugt die Zubereitung, hier liegt das Problem also in den Cafés und bei Dir zu Hause. Letztendlich sind „nur“ zwölf Prozent der Emissionen auf den Transportweg zurückzuführen – dieser ist also tatsächlich nicht der größte Klimakritikpunkt.

Kaffee ist ein Naturprodukt, welches man ökologisch kultiviert

Dass man dieser Aussage nicht einfach zustimmen kann, ist aus dem vorherigen Punkt ersichtlich – ein Großteil der Emissionen erzeugt der Anbau. Da die Nachfrage nach Kaffee hoch ist, muss auch die Ernte entsprechend groß ausfallen. Aus diesem Grund baut man die Kaffeepflanze auf großen Plantagen alleine an, also in einer Monokultur. Dies gefährdet die Artenvielfalt und führt dazu, dass es keinen natürlichen Schutz durch Bäume oder Ähnliches gibt. Das resultiert wiederum darin, dass man die Pflanzen und Böden mit synthetischem Dünger und Pflanzenschutzmitteln behandelt. Diesen Fakt können wir also leider nicht bestätigen. Ein umweltschonender Anbau ist Voraussetzung dafür, dass man die Nachhaltigkeit von Kaffee gewährleisten kann.

Kaffee ist nachhaltig, weil man ihn in den Bio-Abfall werfen kann

Das ist nicht per se falsch, da das reine Produkt biologisch abbaubar ist. Aber: Das wirkliche Problem sind die Umverpackungen. Im herkömmlichen Handel finden wir keinen Kaffee ohne Verpackung und Kapseln sind im Trend. Alleine die Kapseln, die meistens aus Aluminium sind, führen zu 6000 Tonnen Müll im Jahr.

Auf den Kaffeeplantagen herrschen gute Arbeitsbedingungen

Circa 80 Prozent des Kaffees kultivieren Kleinbauern, diese müssen im Schnitt von 2 Dollar am Tag leben. Daraus lässt leicht schließen, dass hier nicht die besten Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschen. Auch Kinderarbeit ist leider oft an der Tagesordnung – aktuell sind nur 15 Prozent des hergestellten Kaffees ohne Kinderarbeit angebaut.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks: Kaffee kann nachhaltig sein

Unser Faktencheck zeigt, dass Kaffee in seiner herkömmlichen Art nicht gerade das nachhaltigste Produkt in unserem Handel ist. Aus diesem Grund haben sich vermehrt Initiativen und Zertifizierungsmöglichkeiten gebildet, die sich zum Ziel gesetzt haben, Kaffee zu verkaufen, der einen positiven ökologischen und ökonomischen Einfluss hat. Diese Produkte sind meist an einem Siegel auf der Verpackung zu erkennen. Die bekanntesten Beispiele sind das Bio– und das Fairtrade-Siegel. Darüber hinaus gibt es weitere Organisationen mit der Vision eines nachhaltigen Anbaus von Kaffee: die Rainforest Alliance, as Programm UTZ CERTIFIED und das Zertifizierungssystem 4C.

Was kannst Du also dazu beitragen, dass Kaffee ein größtenteils nachhaltiges Produkt und der CO2-Fußabdruck gemindert wird?

Neben einem veränderten Kaufverhalten in Bezug auf Kaffee-Produkte, die die oben aufgeführten Zertifizierungen und Programme erfüllen, kannst du auch auf weitere Punkte achten:

  • Kaufe Kaffee, der im Herkunftsland geröstet wird.
  • Direct Trade: Du kannst Kaffee kaufen, der direkt gehandelt wurde. Hier geht ein Großteil des Ertrages direkt an die Bauern.
  • Kaffee kaufen, der möglichst wenig Verpackungsmaterial benötigt.
  • Deine Kaffeemaschine: Herkömmliche Kapselmaschinen sind aufgrund des Verpackungsmülls nicht zu empfehlen (es sei denn, du nutzt biologisch abbaubare Alternativen). Wenn es ein Kaffeevollautomat sein muss, dann lohnt sich ein Blick auf die Energieeffizienz. Und: Schalte deine Maschine aus, wenn sie nicht genutzt wird.
  • Dein Weg zum Einkaufen: Gehe zu Fuß oder nutze das Fahrrad.
  • Coffee-To-Go: Verzichte auf Einweg-Becher. Auch im Saarland geht das ganz einfach: Einige saarländische Initiativen setzen sich genau dagegen und für Mehrweg-Becher ein.


Quellen

https://www.kaffeeverband.de/de/kaffeewissen/nachhaltigkeit
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/duerfen-unseren-wohlstand-nicht-laenger-auf-sklaven-und-kinderarbeit-gruenden-15521917.html
https://waterfootprint.org/en/water-footprint/what-is-water-footprint/
http://www.food-monitor.de/2018/05/wasserverbrauch-fuer-den-anbau-von-lebensmitteln/
https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/kaffee-fair-und-bio/#co2-fussabdruck