Auf den Spuren der Kaffeekultur im Saarland

Das Saarland nach dem Dreißigjährigen Krieg

Gerade im Saarland hinterließ der Dreißigjährige Krieg, der von 1618 bis 1648 stattfand, starke Spuren der Verwüstung. Nach dem offiziellen Ende dieses Krieges gab es indes keine Ruhezeit für die saarländische Bevölkerung. So verlangte Frankreich, dass Spanien und das Herzogtum Lothringen vom Westfälischen Frieden ausgeschlossen sein sollten. Das führte dazu, dass der Krieg im heutigen Saarland bis 1661 andauerte und eine in weiten Teilen zerstörte und entvölkerte Region hinterließ. So zählte man beispielsweise in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken zeitweise nur noch 188 Untertanen. Erst im Barock sorgten Zuwanderer aus ganz Deutschland – allen voran „die Tiroler“ –, der Schweiz, Frankreich und Wallonien dafür, dass das verheerte Land wieder aufgebaut und „peupliert“ wurde. So kam eine in weiten Teile neue Bevölkerung ins Land. Auch wenn sich die Kaffeekultur in Deutschland schon ab 1673 etabliert hatte, begann die Kaffeegeschichte im Saarland erst entsprechend später.

Erste Kaffeehäuser in Europa und das Kaffeemonopol für Maître Damane

Über das Osmanische Reich trat Kaffee, damals als „Türkentrank“ bekannt, seinen Siegeszug nach und nach im Morgenland an. Auch in Frankreich und Deutschland entstanden Mitte und Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Kaffeehäuser. Währenddessen besetzten in den 1670er-Jahren die Truppen des französischen Königs Ludwig des XIV. die Saarregion. Sie brannten diese zunächst fast vollständig nieder – in Saarbrücken und St. Wendel etwa blieben nur wenige Gebäude stehen, während St. Ingbert dem Erdboden gleichgemacht wurde. Schließlich gliederte man die Region als „Province de la Sarre“ in Frankreich ein.

Erste Hauptstadt, der sich von Marsal bis Traben-Trarbach ausdehnenden neuen Provinz, war zunächst Hombourg-la-Forteresse, das heutige Homburg. Später wurde dann die neu gebaute Festungsstadt Sarre-Louis zur Hauptstadt. Mit der Einverleibung der Saarregion in das Königreich Frankreich wurde auch der Kaffee Teil des absolutistischen Merkantilismus‘ und diente unter anderem zur Finanzierung der kostspieligen Kriege des „Sonnenkönigs“.

Merkantilismus beschreibt eine Form der Wirtschaftspolitik zur Vergrößerung der Macht und Steigerung des Reichtums.
Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Außenhandel.

So wurde das Monopol zum Kaffeehandel – „portant règlement pour la vente et la distribution du café” – im gesamten Reich ab 1692 an den Bankier François Damame vergeben, „d’en tirer quelque secours dans l’occurrence de la présente guerre”. Zu dieser Zeit der Kaffeegeschichte im Saarland war Kaffee deshalb ein sehr teures Gut. Das Luxusgut wurde dabei auf ganz unterschiedliche Weise konsumiert, gerne lauwarm und verdünnt getrunken oder gar durch Kauen von gerösteten Bohnen oder Tassensatz genossen.

Kaffeegeschichte im Saarland: Das 18. Jahrhundert

Die erste Blütezeit der Kaffeekultur

Fürst Wilhelm Heinrich, Kaffeegeschichte im Saarland

Erst unter der Regentschaft des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718 – 1768) wendete sich die Entwicklung endgültig zum Positiven. Unter seiner Herrschaft erlebte das zuvor darniederliegende Land eine neue Blütezeit, während der sich die Bevölkerung innerhalb von nur zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelte. Saarbrücken verwandelte sich dank des Baudirektors Friedrich Joachim-Stengel (1694 – 1787) zu einem barocken städtebaulichen Juwel und das Fürstentum zu einem von Reisenden einhellig gelobten Land. Zudem legte Wilhelm Heinrich die Grundlagen für das später so bedeutsame Industrierevier an der Saar.

Gründung von Porzellanmanufakturen in Europa und im Saarland

All das trug zu konsolidierten Verhältnissen und einem gewissen Wohlstand bei, der sich auch im zunehmenden, seinerzeit als Luxus angesehenen, Kaffeekonsum ausdrückte. Mit dem zunächst nur in Adels- und reichen Bürgerkreisen genossenen Kaffee – er galt wie Tee und Schokolade als „exotisches Schlürfgetränk“ – ging auch eine neue Tafelkultur einher. Dem kam das zu Recht als „Weißes Gold“ bezeichnete Porzellan entgegen, das 1708 erstmals auch in Europa hergestellt werden konnte. Kannte man zunächst nur in Meissen das streng gehütete Geheimnis des „Arcanums“, verbreitete sich das Wissen um die Porzellanherstellung nach und nach über ganz Europa und gelangte schließlich auch ins heutige Saarland.

Dort entstanden entlang der Blies mit der Fürstlich Nassau-Saarbrückischen Porzellanmanufaktur in Ottweiler und der Herzoglichen Pfalz-Zweibrückischen Porzellanmanufaktur im Schloss Gutenbrunn bei Wörschweiler gleich zwei dieser prestigeträchtigen Luxusproduktionsstätten. Diese lieferten die, für den perfekten und standesgemäßen Kaffeegenuss, benötigten Trinkgefäße. Hatte man im Barock den Kaffee wie in der Türkei zunächst noch aus „Koppchen“ genannten Schalen getrunken, gestaltete man die Tassen bald höher, gab ihnen konische Formen und versah sie mit Henkeln. Darüber hinaus gab man ihnen Untertassen mit hochgewölbten Rändern bei, aus denen das von der Tasse in die Untertasse gekippte „Schwarze Gold“ geschlürft wurde. Die Porzellanmanufakturen trugen damit einen wesentlichen Beitrag zur Kaffeegeschichte im Saarland bei.

Bräuche und Sitten des Kaffeetrinkens

Bild von einem Service aus Porzellan, Kaffeegeschichte im Saarland

Wie in weiten Teilen Deutschlands war es somit auch zwischen Saar, Pfalz und Mosel üblich, dass man seinen Kaffee nicht direkt aus der Tasse, sondern aus der Untertasse trank. Zum einen konnte der Kaffee damit noch leicht abkühlen und zu anderen nahm die damals in adligen Kreisen übliche Gesichtsschminke keinen Schaden. Aus diesem Grund erkennt man Kaffee-Porzellan aus dieser Zeit an den Untertassen mit höheren Rändern. Dieser Brauch wird auf einem Bild aus dem Jahr 1780/81 dargestellt, das Clemens Wenzeslaus, den damals auch über das Merziger und St. Wendeler Land herrschenden Kurfürsten und Erzbischhof von Trier, mit seinen beiden Schwestern am Kaffeetisch zeigt. Beide Schwestern sind im Begriff, ihren Kaffee aus der Untertasse zu trinken – ein Brauch, der zu dieser Zeit in Frankreich übrigens bereits als verpönt und primitiv galt.

1748 wurde im lothringischen Deutsch-Oth/Audun-le-Tiche zudem von François Boch jene Keramikwarenfabrik gegründet, die später als „Villeroy & Boch“ zu Weltruhm gelangen und ihren Teil zum Siegeszug der Kaffeegeschichte im Saarland und ganz Deutschland beitragen sollte. Das um 1770 entstandene Brindille-Dekor wird dabei bis heute unter dem Namen „Alt-Luxemburg“ angeboten.

Im Barock ebenfalls aufkommende, eng mit der Kaffeekultur verbundene Neurungen waren Kaffeekannen und -löffelchen sowie Zuckerzangen und -dosen. Das einfache Volk hingegen löffelte den Kaffee meist von Suppentellern.

Saarbrücken als Hafenstadt und Umschlagplatz für „Holländerwaren“

Um den Saarbrücker Schlossgarten anzulegen und zugleich den Fernhandel zu fördern begradigte man 1761 die Saar, erbaute Kaianlagen und machte damit die Doppelstadt Saarbrücken- St. Johann zur Hafenstadt. Daran erinnert noch heute das aus dem 18. Jahrhundert stammende Fundament des später darauf rekonstruierten „Saarkrahnens“.

Der heutige Saar-Kran ist ein Nachbau aus dem Jahr 1989.
Er steht jedoch noch heute auf dem Originalfundament an der ursprünglichen Position.

So gelangten auf dem Wasserweg auch Kolonial- oder „Holländerwaren“ wie Kaffee und Zucker nach Nassau-Saarbrücken und von dort aus auf dem Landweg weiter, während die ablegenden Schiffe im Gegenzug Holz, Glas und weitere Waren aufnahmen. Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, wieso gerade die Saar für diese wichtigen Waren genutzt wurde? Das hat mehrere Gründe – zum einen wurden auf der Saar im Gegensatz zum Rhein geringere Zölle verlangt, zum anderen war Saarbrücken ein bedeutender Umschlagplatz für Nancy und Straßburg.

Saarbrücken im 16. Jahrhundert, Kaffeegeschichte im Saarland

Des Weiteren verlief eine der damals wichtigsten Fernverkehrsrouten von Bordeaux über Paris, Reims und Metz durch Saarbrücken und über die 1549 fertiggestellte „Alte Brücke“ nach St. Johann und dann weiter über St. Ingbert und Homburg bis zum Rhein. All das führte dazu, dass man im Saarland vergleichsweise gut an Kaffee kam.



Kaffeeverbote als Teil der Kaffeegeschichte im Saarland

Kaffee musste allerdings teuer aus dem Ausland importiert werden. Das schwächte nicht nur die heimische Handelsbilanz, sondern barg auch die Gefahr, dass sich ärmere Gesellschaftsschichten über ihre Verhältnisse hinaus mit dem begehrten Luxusgetränk versorgten. So kam es ab der Mitte des 18. Jahrhunderts zu staatlichen Kaffeeverboten.

Das von Friedrich II. von Preußen unter der Devise „Zurück zum Bier“ erlassene Verbot, ist dabei das wohl bekannteste in der Kaffeegeschichte. Wenn Du unsere kuriosen Fakten aus der Kaffeewelt bereits gelesen hast, dann weißt Du, dass der Grund dafür nicht etwa war, dass Friedrich der Große Kaffee nicht mochte oder dem Volk den Genuss von Kaffee nicht gönnen wollte, sondern dass das aus rein volkswirtschaftlichen Aspekten geschah. So wollte Friedrich der Große sein Volk vor unnötiger Verschuldung bewahren, zugleich verhindern, dass im Inland dringend benötigtes Geld für Kolonialwaren ins Ausland floss. Außerdem wollte er die heimische Wirtschaft stärken, denn Bier war, im Gegensatz zum Kaffee, ein regionales Produkt. Aus diesem Grund wurden hohe Steuern auf Kaffee angesetzt.

Außerdem durften bis 1797 in Preußen ausschließlich staatliche Röstereien Kaffee rösten. Um die Einhaltung dieser Vorgabe zu überprüfen wurden sogenannte „Kaffeeschnüffler“ eingesetzt. Da Kaffee beim Rösten sehr stark duftet, konnten die Zöllner privat gerösteten Kaffee sehr schnell enttarnen. Wie sich Kaffee nach diesen Einschränkungen in den restlichen Teilen von Deutschland verbreitet hat, kannst Du in der Rubrik Kaffeegeschichte erfahren.

Kaffeegeschichte im Saarland: Wie wurde Kaffee getrunken?

Dass Kaffee im Saarland aber trotzdem verbreitet war, beweist ein Bericht des US-amerikanischen Reisenden John Trumbull vom 14. September 1786. Darin schildert der berühmte Kunstmaler und vormalige Adjutant George Washingtons seine Reise durch das heutige Saarland und erwähnt unter anderem, dass er von Metz kommend auf dem Weg nach Homburg in einem Gasthof in St. Ingbert („St. Embright“) „very good coffee, bread and butter“ genoss. Dies ist ebenfalls ein interessanter Hinweis darauf, dass man zum Kaffee Butterschnitten aß, wie es in der „Oekonomischen Encyclopädie“ von 1789 angemerkt wird. Im selben Text wird beschrieben, wie „der gemeine Mann“ seinen Kaffee trinkt, nämlich „meist ohne Zucker, oder stattdessen, mit Lakritzensaft.“ Dies wiederum ist ein Hinweis darauf, dass der aus der Karibik stammende Rohrzucker derart teuer war, dass man den an sich schon teuren Kaffee anderweitig süßte, eben mit Lakritzsaft oder bevorzugt mit Honig.

Kaffee-Porzellan, Kaffeegeschichte im Saarland

Auch wenn heute der morgendliche Kaffee kaum wegzudenken ist – in Deutschland waren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein Biersuppen zum Frühstück weit verbreitet, was auch die Forderung „Zurück zum Bier“ in ganz anderem Licht erscheinen lässt. Erst später, nach der Entwicklung einer breiteren Mittelschicht und günstigerer Kaffeepreise, trank man Kaffee flächendeckend.

Isst Du zu deinem Kaffee gerne etwas Süßes? Dann bist Du damit nicht allein, auch früher hat man gerne süßes Gebäck zum Kaffee gereicht. Das ist aus einem Rezeptbuch aus dem Jahr 1769 ersichtlich, in dem damals hier übliche Speisen aus dem Westrich aufgeführt sind. Auch dieser Brauch war indes aufgrund des teuren Zuckers eher in adligen oder sehr wohlhabenden Familien bekannt.

Kaffeetrinken in adligen Familien

Welche Rolle haben Kaffeehäuser in der Kaffeegeschichte des Saarland gespielt? „Nach dem Kaffee bat sie [Wilhelmine] mich, etwas auf dem Pianoforte zu spielen, einem sehr guten Instrument […]“ – so die Worte der Baronesse von Bode über ihre erste Begegnung mit Fürstin Wilhelmine von Nassau-Saarbrücken im Jahr 1777. Aus Frau von Bodes Bericht geht hervor, dass der Adel im Saarland Kaffee zuhause trank und keine Kaffeehäuser besuchte. Dies kam zum einen aus Standesgründen nicht infrage und zum anderen gab es hier auch solche Einrichtungen wie in den großen Metropolen Europas schlichtweg nicht. In anderen Regionen und entsprechend großen Städten hingegen herrschte eine eher öffentliche Kaffeehauskultur, von der wiederum ganz eigene Entwicklungen ausgingen. Da Kaffeehäuser oder -gärten allerdings für Frauen oftmals verboten waren, etablierte sich mit dem „Caffee-Kränzgen“ im 18. Jahrhundert eine weitere spezifische Form der Kaffeekultur.

Bild vom Grünen Kabinett

Einen Eindruck von den Salons, in denen der Kaffee im vertrauten Kreis gerne genommen wurde, vermittelt das in der Alten Sammlung des Saarlandmuseums ausgestellte „Grüne Kabinett“, das zugleich das letzte erhaltene dieser Art im Saarland darstellt. Es zierte einstmals das Palais von Wilhelmines Nebenbuhlerin Katharina Kest, die Ludwig von Nassau-Saarbrücken zunächst zu seiner Mätresse machte. 1774 ehelichte er Sie als morganatische „Gattin zur linken Hand“. Nach dem Tod seiner Frau Wilhelmine wurde Katharina Kest zur Freifrau von Ludwigsberg, dann zur Reichsgräfin von Ottweiler. 1787, dann als „Gattin zur rechten Hand“, machte Ludwig von Nassau-Saarbrücken Sie sogar zur Fürstin von Nassau-Saarbrücken. Interessant ist bei diesem Kabinett auch das Zusammenspiel des selbst im Privaten repräsentativen Rahmens und einer sowohl aus Genuss- als auch Prestigegründen zelebrierten Kaffeekultur mit den dazu gehörigen Accessoires und Zeremonien.



Kaffeegeschichte im Saarland: Zubereitung des Kaffees im Saarland

Zur gleichen Zeit, als die aus England stammende Baronesse von Bode ihre Zeilen schrieb, residiert Karl II. August, Herzog von Pfalz-Zweibrücken in Homburg zunächst im Schloss von Jägersburg und schließlich im „Feen Schloss“ Karlsberg. Wie der dem Herzog nahestehende Johann Christian von Mannlich berichtet, pflegte der Herzog dabei den Kaffee persönlich zuzubereiten. Die Vorbereitung lag jedoch noch beim Diener. Dieser brachte zur Zubereitung heißes Wasser, eine Kaffeekanne, Tassen und den Kaffee auf einem Tablett. Diese Art der Zubereitung hatte verschiedene Gründe: die persönliche Zubereitung gründete in einer Art Respekt gegenüber hochrangigen Gästen. Zudem war Kaffee so teuer und wertvoll, dass man sich persönlich um die Zubereitung kümmerte, auch damit nichts von dem Kaffee verloren ging. Aus den Überlieferungen geht ebenfalls hervor, dass man im Schloss Karlsberg Kaffee des Öftern und wohl bevorzugt nachmittags servierte, wovon etwa Herzog Karl Eugen von Württemberg bei seinem Besuch 1785 berichtete.

Die Zubereitung von Kaffee im 18. Jahrhundert wird in einem Lexikon beschrieben (1787): Die Kaffeebohnen solle man in einer Pfanne über glühenden Kohlen so lange schwenken, bis sie eine kastanienbraune Farbe bekommen. Danach mahle man sie in einer Kaffeemühle klein oder stoße sie in einem Mörser zu Bröseln. Anschließend gebe man zwei Lote Pulver in eine Kanne und übergießt dies mit siedendem Wasser. Die Kanne setze man dann wieder auf die Kohlen und gebe dann Zucker hinein. So wird der Kaffee den ganzen Tag über heiß gehalten. Diese Zubereitungsart ist sehr ähnlich mit der Zubereitung eines traditionellen Mokkas.

Im 19. Jahrhundert stellte der französische Hersteller Peugeot Mahlwerke für Kaffeemühlen her.
Erst später fokussiert man sich auf Autos. Die scharfen Zähne des Löwens (Markenzeichen) weisen auf diese Historie hin.

Vereinigung mehrerer Sitten

Johann Georg Krünitz beschreibt 1789 in seiner Encyclopädie die Art und Weise, Kaffee in Deutschland zu trinken. Er meint, dass Kaffee sowohl morgens, mittags als auch abends getrunken wird und es keinen Unterschied zwischen arm und reich sowie jung und alt gäbe. Neben der oben beschriebenen Zubereitungsart mit siedendem Wasser, wurde der Kaffee auch filtriert oder der Klarheit wegen mit Eidotter zubereitet. „Der gemeine Mann labet sich sogar am Kaffeesatz, mit Syrup versüßt, um nur die Mode mit zu machen und den Kaffee zu lutschen“, so Krünitz. Während man in anderen Ländern also eine jeweils spezifischere Art hatte, wie man Kaffee genoss, vereinte Deutschland viele verschieden Sitten. Nach Krünitz würden die „Unarten der Ausländer“ hier auch deutlich länger bestehen bleiben als in anderen Ländern. Krünitz beschreibt zudem die Zubereitung von Kaffee-Mus, während Friedrich der Große seinen Kaffee gerne auch mit Champagner statt Wasser zubereiten ließ und mit Pfeffer würzte.

Wie man der Encyclopädie entnehmen kann, kam mit dem Kaffee ein weiterer, zuvor in Deutschland nicht üblicher Brauch auf. Dies erfährt man in dem Abschnitt „Kaffee-Schälchen und Wahrsageren daraus“. Daneben machen die heute noch immer interessanten Ausführungen von Johann Georg Krünitz klar, dass Kaffee im Barock nicht „nur“ Genussmittel war, sondern durchaus als Arznei angesehen wurde.

Exkurs zur Kaffeegeschichte im Saarland: Die „Kaffeekisch“

Kaffeeküche, oder nach der saarländischen Mundart „Kaffeekich“, steht umgangssprachlich für die Kantinen der Bergarbeiter. Zu Hochzeiten des Bergbaus befand sich an jeder Durchgangsstraße in der Nähe der Gruben eine Kaffeeküche. So konnten die Arbeiter nach langen Arbeitstagen schnell etwas essen und trinken. Die Kaffeeküchen wurden aber nicht nur als Kantine, sondern auch wie eine Kneipe oder ein Tante-Emma-Laden von der saarländischen Bevölkerung genutzt. Auch nach dem Ende des Bergbaus an der Saar zeichnen sich die dort angebotenen Speisen und Getränke noch heute durch relativ günstige Preise aus, wobei es sich nicht um ausgefallene Waren handelt.

Nach der Stilllegung der Gruben wurden die meisten Kaffeeküchen im Saarland geschlossen, beziehungsweise zu einem anderen Zweck genutzt. Ausnahme ist hier die 60 Jahre alte Kaffekich Velsen. Sie ist die älteste, originale Kaffeeküche, die noch geöffnet hat. Zur Erinnerung an den Bergbau wurde für die Besucher des Saar Polygons am Aufgang zur Bergehalde Duhamel eine neue Kaffeeküche eröffnet. Seit April 2018 bietet die Kaffeeküche-Gaststätte auf Duhamel täglich Speisen und Getränke in Ensdorf an.

Heute ist man im Saarland Teil einer weltweiten Community und folgt ganz selbstverständlich den internationalen Trends der dritten Kaffeewelle, unterstützt nachhaltigen Kaffee wie Bio-, Fairtrade-, Direct Trade oder Speciality Kaffee. Wie genau das aussieht, erfährst du in unseren Blogbeiträgen.

Dieser Text entstand durch die freundliche Unterstützung von Klaus Friedrich (Arbeitskreis BarockStraße SaarPfalz).


Quellen

https://www.saarbruecken.de/kultur/stadtgeschichte/chronik
http://www.erlebnisbergwerkvelsen.de/kaffeekueche-velsen.html
https://www.bergbauerbesaar.de/aktuelles/kaffeekueche-die-gaststaette-auf-duhamel/
http://www.industriekultur-ansichten.com/texte/geschichte/139-ehemali/
https://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/politik/topthemen/kneipe-kiosk-kultort-die-kantine-in-velsen_aid-1256176
https://www.wissen.de/lexikon/merkantilismus
https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/mahlwerk-der-titan-unter-den-pfeffermuehlen-1940869.html