Kaffeegeschichte – Vom Wein des Islam zum zweitwichtigsten Handelsgut

Weltweit hat es bis heute kein anderes Heißgetränk geschafft, so an Beliebtheit zu gewinnen wie Kaffee. Doch woran liegt das? Kaffee macht wach, Kaffee regt an, Kaffee schmeckt gut. Kein Wunder also, dass das Wort Kaffee von dem arabischen „Qahwe“ abgeleitet so viel wie Lebenskraft und Stärke bedeutet.

Dabei geht die Entdeckung des Kaffees, wie wir ihn heute kennen schon weit bis ins 9. Jahrhundert zurück. Der Ursprung der Kaffeepflanze lokalisiert sich dabei in Afrika, im Südwesten Äthiopiens, genauer in der Region Kaffa. Alte Aufzeichnungen aus diesem Zeitraum deuten darauf hin, dass rohe und gekochte Kaffeekirschen schon früh eingesetzt wurden und berichten von einer berauschenden Wirkung der Pflanze. Auch wenn es nur wenige Beweise um den frühzeitigen Einsatz von Kaffee gibt, kursieren einige Überlieferungen, die von der Entdeckung des Kaffee erzählen und somit in der Kaffeegeschichte nicht fehlen dürfen.

Kaffa ist eine Region im äthiopischen Hochland. Hier besteht die Landschaft hauptsächlich aus Bergland und Regenwäldern.
Ihr mildes Klima, die Vegetation und Höhenlage bieten ideale Voraussetzungen für den Anbau von Kaffee.

Die Entdeckung von Kaffee – Legenden

Der Ziegenhirte aus Kaffa

Die Legende um den Ziegenhirten aus Kaffa besagt, dass er die belebende Wirkung von Kaffee zuerst entdeckt haben soll. Darauf aufmerksam wurde er durch das Verhalten seiner Ziegen. Sie zeigten trotz ihres aktiven Verhaltens keine Anzeichen von Müdigkeit und hüpften angeregt herum. Selbst nachts ließen Sie dem Hirten keine Ruhe.

Nach der genauen Beobachtung bemerkte der Hirte, dass die Ziegen an der grasenden Stelle von einer dunkelgrünen Pflanze kirschenähnliche Früchte fraßen. Daraufhin brachte der Hirte die Früchte zu den Mönchen, die diese folglich trockneten, zerstießen und mit heißem Wasser trunken – der Kaffee war geboren. Die Mönche konnten von nun an nachts wachbleiben, sich rege unterhalten und die Zeit zum Beten nutzen.

Der Prophet und der Kaffee

Eine von orientalischen Märchenerzählern verbreitete Geschichte besagt, dass der Prophet Mohammed die Wirkung des Kaffee entdeckt haben soll. Als der Prophet schwer krank war, soll der Erzengel Gabriel ihm eine Tasse mit heißer, dunkler Flüssigkeit gebracht haben. Dank der „Flüssigkeit“ gelang es ihm seine Kraft zurückzugewinnen und seine Krankheit zu besiegen.

Geschichte des Jungen Derwisch Omar

Eine weitere Legende der Kaffeegeschichte handelt von dem Jungen Derwisch Omar. Unschuldig verurteilt, wurde Omar mit seinen Gefährten in eine Steinwüste verbannt. Halb verhungert und schwer krank probierte er in seiner Verzweiflung die Früchte der Kaffeepflanze. Durch ihre Wirkung schaffte er es sich zu stärken und gemeinsam mit den wundersamen Früchten in die Stadt zurückzukehren. Die Menschen waren erstaunt von seiner Rückkehr und wollten von den Früchten probieren. Zurück in der Stadt überhäuften die Menschen Omar mit Geschenken und feierten seinen Heldentum so, dass der Kalif im sogar einen Palast erbauen ließ.

Verbreitung des Kaffee in der arabischen Welt

Im 14. Jahrhundert gelangte der Kaffee durch Sklavenhändler erstmals von Äthiopien in den Jemen. Geschichtliche Aufzeichnungen berichten davon, dass die Kaffeekirsche wahrscheinlich aber erst ab dem 15. Jahrhundert richtig geröstet und getrunken wurde. Mit dem Beginn der Kaffeekultur im 15. Jahrhundert entwickelte sich die damalige Hafenstadt Mokka, das heutige al-Mukha im Jemen, zum wichtigsten Handelszentrum für Kaffee.

Karte von Zentralafrika, Kaffeegeschichte

Das erste Kaffeehaus wurde 1511 in Mokka gegründet. Ausgehend von der Hafenstadt Mekka und der Stadt Medina verbreitete sich der Kaffee schnell in den damaligen Regionen um Kairo, Syrien und Anatolien.

In der arabischen Welt – vor allem für den Jemen – sorgte der Kaffeehandel für eine Monopolstellung. Um zu verhindern, dass die Handelspartner außerhalb Arabiens selbst Kaffee anbauten, wurden die rohen Bohnen überbrüht und somit keimunfähig gemacht. Bis zum 17.
Jahrhundert haben die jemenitischen Staatsmächte das Geheimnis über den Kaffee bewahrt. Mit der zunehmenden Kolonialisierung gelang der Kaffee in andere Ländern entlang des Äquators, wie Indonesien, Surinam, Brasilien und in der Karibik.

Von der Türkei nach Europa

Ab dem 16. Jahrhundert verbreitete sich Kaffee auch im persischen Safawiden-Reich und im Osmanischen Reich. Mit der Annexion des Jemens durch das Osmanische Reich 1538 erfuhr der Kaffee einen besonders starken Aufschwung. 1554 eröffneten die Osmanen das erste Kaffeehaus in Istanbul.

Trotz des Aufschwungs von Kaffee erließ Murad III. gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein Kaffeeverbot. Das Kaffeeverbot führte dazu, dass Kaffeehäuser niedergerissen und Kaffeetrinker verfolgt wurden. Das Verbot hinderte die Menschen aber nicht am Konsum. In Istanbul tarnten sich Kaffeehäuser aus diesem Grund als Barbierläden. Der Kaffee entwickelte sich dadurch zum „Wein des Islam“ und somit auch zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft.

Im 17. Jahrhundert fand der Kaffee seinen Weg schließlich nach Europa. Das erste europäische Kaffeehaus wurde 1650 in Venedig eröffnet. Demzufolge fand die Kaffeekultur viele Anhänger und verbreitete sich schnell in anderen Städten.

1650 Eröffnung eines Kaffeehauses in Oxford
1652 Das erste Kaffeehaus in London wird eröffnet
1672 Ein Armenier bringt die Kaffeehauskultur nach Paris

Kaffeegeschichte in Deutschland

Mit der zunehmenden Kolonialisierung und der weltweiten Kultivierung von Kaffee fand der Kaffee auch in Deutschland Einzug in die Gesellschaft.

Ab 1780 wurde das Kaffeegeschäft von Friedrich dem Großen streng reguliert. Bis 1797 durften dann ausschließlich staatliche Röstereien Kaffee rösten. Um geheime Röstereien aufzudecken, wurden Kaffeeschnüffler eingesetzt, die den Geruch erkennen und den verbotenen Röstereien auf die Schliche kommen sollten.

Mit der zunehmenden Industrialisierung wurde der Kaffee für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich und etablierte sich innerhalb der armen Schicht sogar zur Ersatznahrung. Die Arbeiterklasse kochte aus Kaffee eine Suppe mit Brotstücken – die Kaffeesuppe hielt warm und stille ebenso den Hunger. Auch im Saarland war diese Suppe bei den Minenarbeitern sehr beliebt. Mehr dazu kannst Du auf Kaffeegeschichte im Saarland nachlesen.

Wichtige Daten:
1850 Kaffee entwickelt sich in Deutschland zum Volksgetränk.
1938 Von der Firma Nestlé wird löslicher Kaffee vertrieben und vermarktet.
1905 Der erste entkoffeinierte Kaffee „Kaffee HAG“ kommt auf den Markt.
1908 Die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz erfindet den Kaffeefilter, der bis heute in vielen Haushalten im Einsatz ist.

Wie es mit der Kaffeegeschichte weitergegangen ist, als auch aktuelle Entwicklungen, kannst Du auf der Seite über die „Dritte Kaffeewelle“ nachlesen.


Quellen

https://www.kaffeetraditionsverein.de/index.php/Kategorie:Kaffeehistorie
http://www.kaffeeverband.de/de
https://www.coffeecircle.com/de/e/kaffee-geschichte
https://kaffee-spezialisten.com/die-geschichte-des-kaffee/