Ein Interview mit den Brew Brothers

Wenn wir von der dritten Kaffeewelle im Saarland sprechen, dann dürfen die Brew Brothers einfach nicht fehlen. Die Brew Brothers Joe und Steve sind zwei Freunde, die eine Liebe für Radsport und Specialty Coffee teilen.

Ein kleiner Steckbrief:

Wer? Joe und Steve. Joe ist gebürtiger Engländer und arbeitet bei dem Kaffeemühlenhersteller Comandante. Steve ist echter Saarländer und ist hauptberuflich als Sozialarbeiter tätig.

Woher kennen sie sich? Beide sind große Radsportfans und haben sich auch so kennengelernt.

Lieblingsbohnen? Single Origin Arabica Bohnen.

Liebstes Kaffeegetränk? Cold Drip Tonic aus einem fruchtigen Kaffee.

Lieblingscafé? Törnqvist in Hamburg und das eigene Wohnzimmer.

Kaffeeliebe-Reiseziel? Äthiopien und Kenia (Besuch des Mount Kenia).

Wo kannst Du ihren leckeren Kaffee probieren? Momentan bei den Sunday Sessions in der „Fase 15“ (Coworking Space)

Auf dem linken Bild siehst Du Steve und auf dem rechten Joe.

Die „third wave of coffee“ setzt auf einen nachhaltigen, genussvollen und achtsamen Kaffeekonsum. Ähnlich wie bei den Bewegungen rund um Gin, Schokolade oder Wein, geht es darum, Kaffee als Pflanze in all ihren Facetten und Nuancen wahrzunehmen.

Die Art der Kaffeezubereitung bei den Brew Brothers lässt sich ohne Zweifel in diese Bewegung einordnen: Für sie steht ein fairer Bezug der Bohnen, ein angemessener Preis und der individuelle Geschmack von verschiedenen Bohnen an oberster Stelle. Auch wir konnten uns von dem leckeren Geschmack ihres Kaffees überzeugen, weshalb wir ihn Dir nicht vorenthalten möchten.

Wie aus Joe und Steve die Brew Brothers wurden

Berlin. In der Landeshauptstadt stolperte Steve zufällig in ein Café. Mit dem Genuss seines Espresso stellte er fest, dass dieser unheimlich fruchtig und blumig schmeckte – ähnlich einem Fruchtsaft oder fruchtigem Schwarztee. Mit dem morgendlichen Wachmacher, wie er Kaffee davor kannte, hatte diese Art der Zubereitung nichts zu tun. Dass Kaffee so schmecken kann, stellte sein Bewusstsein über Kaffee ab sofort auf den Kopf. Mild, säuerlich, fruchtig, blumig: Kaum ein normaler Kaffeetrinker weiß, dass Kaffee abhängig von seiner Herkunft und Anbauart viele Nuancen entwickeln kann. Ebenso ist ein spezielles Röstverfahren ausschlaggebend, damit sich die Aromen entwickeln und die hohe Qualität beibehalten werden kann. Seitdem hat ihn das Interesse für die Komplexität von Kaffee nicht mehr losgelassen.

Auch Joe kannte diese Art von Kaffee bereits, als beide sich beim Radsport kennenlernten. Für beide hat ein guter Espresso nach einer ausgiebigen Radrunde schon immer dazugehört.

Doch wo lässt sich so ein leichter, hellgerösteter Espresso im Saarland finden? Die typische Art Kaffee zu genießen, wie sie häufig in Deutschland oder England serviert wird, sagte beiden dabei nicht mehr wirklich zu.

„Wenn das niemand macht, dann müssen wir das machen.“

Steve

Motiviert den Saarländern Specialty Coffee zu servieren, starteten die Brew Brothers im Sommer 2016 ihr erstes Pop Up Café im damaligen Coworking Space „Ligatura“. Mit einer selbstgebauten Minitheke aus Paletten und alten Möbeln war zunächst das Ziel herauszufinden, ob den Saarbrückern der third wave Kaffee überhaupt schmeckt. Deswegen wurde der Kaffee zunächst nur draußen und am Wochenende angeboten. Im November 2016 durften die beiden dann in das Gebäude ziehen. Die alte Bahnwerkstatt im Industrie-Style hat dabei besonders gut zum einzigartigen Kaffee gepasst. 2018 wurde das Gebäude dann leider verkauft. Bisher haben die beiden noch keine passenden Räumlichkeiten gefunden – optimistisch sind sie trotzdem: Für sie ist die Atmosphäre mindestens genauso wichtig, wie der Kaffee selbst. Das kann man auch bei den Sunday Sessions in der Fase 15 spüren. Bei den Sunday Sessions lässt sich der Kaffee nicht nur probieren, sondern die hellgerösteten Bohnen auch für die heimische Zubereitung mitnehmen.

Welcher Kaffee wird eingesetzt?

Für ihre Sunday Sessions beziehen die Brew Brothers ihre Bohnen von verschiedenen kleinen Röstereien aus ganz Europa. Dabei verfolgen sie ganz klar die Devise, möglichst viele Röster zu integrieren und damit klar zu zeigen, dass es verschiedene Anbieter für diese Art von Kaffee gibt. 2019 kamen die Bohnen zum Beispiel von Röstern aus Deutschland, Schweden, Dänemark und Tschechien. Bei den Bohnen handelt es sich immer um Single Origin Arabica Kaffee. Mit Single Origin Kaffee sind Bohnen gemeint, die aus demselben Anbaugebiet kommen und demnach nicht, wie im Einzelhandel üblich, gemischt werden.

Ebenso ist die Farbe der Bohnen wichtig: Hell sollen sie sein. Üblicherweise wird diese Art von Kaffee bis zum ersten „Knacken“ geröstet, oft sind das nur 30 Minuten. Ziel des Rösters ist es dabei, den Zucker in der Bohne perfekt zu karamellisieren, ohne die Bohne zu verbrennen. Diese Art zu rösten bedarf besonders viel Geschick und Aufmerksamkeit.

Die Kaffeebohnen im Einzelhandel werden üblicherweise dunkel geröstet und sind außen ölig. Das liegt vor allem daran, dass Deutschland sehr von der französischen und italienischen Art Kaffee zu genießen, beeinflusst ist. Ein längerer Röstvorgang bedeutet aber auch ein Verlust von den Aromen der Kaffeebohne. Auch Qualitätsunterschiede sind bei dunklen Bohnen nur schwer festzustellen. Die helle Röstung dagegen behält die Säure, Süße und andere Noten, die den Kaffee dann schlussendlich besonders machen.

„Die Arabica Bohne hat mehr Geschmacksnuancen als Wein – leider wissen das nur wenige.“

Steve

Auch Kaffeespezialisten haben einen Lieblingskaffee

Die Brew Brothers setzen auf 100 Prozent Single Origin Arabica Kaffee. Im Winter kommen so eher afrikanische und im Sommer eher südamerikanische Kaffees zum Einsatz. Praktisch ist, dass sich die Erntezyklen fast genau auf das Jahr aufteilen. Kaffees aus Südamerika haben einen eher erdigen, schokoladigen Geschmack, afrikanische Kaffees sind dagegen eher fruchtig, säuerlich und blumig.

Obwohl Kaffee bei den Brew Brothers mittlerweile eine ziemlich wichtige Rolle eingenommen hat, sind sie aber noch keiner Kaffeesucht verfallen. Ganz im Gegenteil haben sie gelernt, Kaffee weniger und bewusster zu genießen und es nicht mehr nur als reines Mittel zum Zweck zu betrachten.

„Seit ich diese Art von Kaffee kenne, trinke ich weitaus weniger Kaffee als vorher. Aber ich würde es schon vermissen, weil es ein Geschmack ist, den ich sehr gerne mag.“

Steve

Deswegen trinken sie ihren Kaffee am liebsten pur. Wenn Steve sich dennoch für ein Kaffeegetränk entscheiden müsste, dann wäre das ein Cold Drip Tonic mit einer Pfirsich- oder Jasminnote.

Cold Drip
Über mehrere Stunden tropft Wasser aus einem Reservoir mit Miniventil auf einen mit Kaffeemehl befüllten Filter.
Im Vergleich zu Cold Brew versinkt der Kaffee nicht in Wasser und wird dadurch klarer, ohne einen malzigen Geschmack zu hinterlassen.

Die Rolle von Specialty Coffee in der Kaffeewelt

Der Specialty Coffee ist in der Welt des Kaffee immer noch ein Nischenprodukt und nimmt lediglich 2 Prozent des weltweiten Handelsvolumens ein. Während gewöhnlicher Rohkaffee meist an der Börse bezogen wird und der Preis für ein Pfund zwischen 1,20 $ – 1,80 $ schwankt, kostet Single Origin Kaffee um die 8 $. Der Grund liegt oft darin, dass eher darauf geachtet wird, dass die Kaffeebohnen fair bezogen werden. Nordic Approach, z. B. ist einer der größten grünen Händler für Kaffeebohnen. Trotz des doch vergleichsweise hohen Preises hat die Nachfrage für Speciality Coffee in den letzten Jahren vermehrt zugenommen. Geröstet wird der Kaffee dann gewöhnlich in kleinen Röstereien.

Für die Entfaltung des Specialty Coffee im alltäglichen Konsum, kommt es stark darauf an, inwieweit die großen Hersteller die Besonderheiten der kleinen Produzenten übernehmen. Dass das Zuteilen schon passiert, lässt sich an Bezeichnungen wie „helle Baristaröstung“ erkennen. Auch wenn es für kleine Betriebe schwer ist, sich neben großen Konzernen zu behaupten, ist es wichtig den Menschen mehr Achtsamkeit und Genuss mit ihrem Kaffee mitzugeben.

Damit Kaffee sich aber tatsächlich zu einem nachhaltigen Produkt entwickelt, muss noch einiges passieren. So spielt zum einen der Kaffeepreis eine Rolle und zum anderen wer an diesem verdient und was tatsächlich später bei den Bauern übrig bleibt. Dabei ist es besonders wichtig, mehr Transparenz bei den Konsumenten zu schaffen und diese Thematiken konkret anzusprechen.

Headup und Headdown Barista

In der Baristawelt wird zwischen Headup und Headdown Barista unterschieden. Der Headup Barista ist für gewöhnlich derjenige, der viel Persönliches über seine Kunden weiß – ähnlich wie ein guter Barkeeper.

Ein Headdown Barista fokussiert sich dagegen eher auf die Zubereitung und beschäftigt sich mit der Maschine. So ist der „Espressopapst“ Matt Perger ein großes Vorbild der beiden. Perger untersucht verschiedene Variablen, die den Geschmack des Kaffees beeinflussen.

Da der „third wave“ Kaffee sehr erklärungsbedürftig ist, sind beide Rollen für einen guten Specialty Coffee und die nachhaltige Kundenbindung sehr wichtig.

Wünsche und Tipps für eine fairere Kaffeewelt

  • Keine Aluminiumkapseln kaufen
  • Kaffee bei ausgewählten Händlern beziehen
  • Viel ausprobieren, weg vom Gewohnten
  • Aeropress bietet auch die Möglichkeit, verschiedene Nuancen zu erreichen
  • Handfilter nutzen
  • Auf die Saison der Kaffeebohnen achten

Wir konnten von den Brew Brothers auf jeden Fall eine Menge lernen und bedanken uns für das spannende Interview! Für mehr Informationen und Updates zu den Brew Brothers folge ihnen auf Instagram oder besuche sie bei ihren Sunday Sessions in der Fase 15.


Brew Brothers

Pop up Café – Sunday Session (monatlich)
Fasanerieweg 15
66121 Saarbrücken

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